Aikido anfangen: erstes Training, Kleidung und Etikette
Der erste Abend im Dojo ist für die meisten ungewohnt: neue Wörter, Verbeugungen, Fallübungen. Mit etwas Vorwissen fühlt man sich schneller zu Hause.
Ein Dojo finden
In der Schweiz gibt es Aikido-Dojos in allen Sprachregionen. Viele sind als Vereine organisiert, andere gehören zu Kampfsportschulen oder sind Teil eines grösseren Verbands. Die Suche beginnt meist ganz einfach: in einer Suchmaschine mit dem Stichwort Aikido und dem eigenen Wohnort, bei den Sportangeboten der Gemeinde oder, für Studierende, beim Hochschulsport.
Weil Dojos sehr unterschiedlich sein können, lohnt es sich, vor der Entscheidung ein paar Fragen zu klären:
- Stilrichtung: Zu welcher Stilrichtung oder welchem Verband gehört das Dojo? Ein Überblick dazu steht im Artikel über Grade und Stilrichtungen.
- Lehrpersonen: Wer unterrichtet, und wie lange übt diese Person schon Aikido?
- Trainingszeiten: Passen die Zeiten in Ihren Alltag? Regelmässigkeit ist wichtiger als die Anzahl Trainings pro Woche.
- Einstieg: Gibt es einen Anfängerkurs, oder steigt man jederzeit ins normale Training ein?
- Kosten und Mitgliedschaft: Wie sind Mitgliederbeiträge, Kursgebühren und allfällige Prüfungsgebühren geregelt?
- Sprache: In welcher Sprache wird unterrichtet? Die japanischen Fachbegriffe sind überall gleich, die Erklärungen aber nicht.
Viele Dojos laden Interessierte zu einem Probetraining ein oder erlauben es, zuerst einmal zuzuschauen. Nutzen Sie diese Möglichkeit. Sie bekommen ein Gefühl für die Atmosphäre, und das ist für die Frage, ob Sie dranbleiben, oft entscheidender als jede Beschreibung.
Vor dem ersten Training
Melden Sie sich wenn möglich vorher an, per Telefon, E-Mail oder über die Website des Dojo. So weiss die Lehrperson, dass jemand Neues kommt, und kann sich etwas Zeit für Sie nehmen.
Klären Sie ausserdem, wie Sie gegen Unfälle versichert sind. In der Schweiz sind Angestellte in der Regel über den Arbeitgeber gegen Nichtberufsunfälle versichert; wer nicht oder nur wenige Stunden angestellt ist, ist meist über die Krankenkasse versichert. Im Zweifel lohnt sich eine kurze Nachfrage bei Ihrer Versicherung.
Was Sie anziehen und mitnehmen
Für die ersten Trainings brauchen Sie keine besondere Ausrüstung.
| Was | Worauf achten |
|---|---|
| Lange, bequeme Sporthose | ohne Reissverschlüsse, Nieten oder harte Knöpfe |
| T-Shirt oder Langarmshirt | nicht zu weit, damit man sich beim Rollen nicht verheddert |
| Badelatschen oder Zori | für den Weg von der Garderobe bis zum Mattenrand |
| Trinkflasche | Getrunken wird in den Pausen, nicht auf der Matte |
| Kleines Handtuch | praktisch, gerade im Sommer |
Auf der Matte trainiert man barfuss. Schmuck, Uhren und Haarspangen aus Metall legen Sie vor dem Training ab. Lange Haare binden Sie mit einem weichen Haargummi zusammen. Finger- und Fussnägel sollten kurz geschnitten sein, damit Sie weder sich noch andere verletzen.
Der Keikogi
Wenn Sie sich entschieden haben weiterzumachen, kaufen Sie einen Keikogi, den Trainingsanzug aus Jacke und Hose. Im Aikido werden häufig Anzüge in der Art eines Judogi getragen, mit einer etwas festeren Jacke, die das Greifen aushält. Dazu kommt ein weisser Gürtel. Fragen Sie im Dojo nach, welche Art von Anzug dort üblich ist; manchmal gibt es auch gebrauchte Anzüge oder Sammelbestellungen.
Den weiten Hosenrock, den man auf Aikido-Fotos oft sieht, den Hakama, tragen Anfängerinnen und Anfänger in vielen Dojos noch nicht. Ab wann er getragen wird, ist von Dojo zu Dojo verschieden.
So läuft das erste Training ab
Kommen Sie etwas früher, damit Sie in Ruhe umziehen und sich vorstellen können. Meist zeigt Ihnen jemand die Garderobe und erklärt kurz die wichtigsten Abläufe.
Zu Beginn setzen sich alle in einer Reihe in den Kniesitz (Seiza) und verbeugen sich gemeinsam. Danach folgt das Aufwärmen. Für Anfängerinnen und Anfänger steht in den ersten Wochen die Fallschule im Vordergrund: Rollen vorwärts und rückwärts und das kontrollierte Fallen zur Seite. Das ist anfangs anstrengend und manchmal etwas schwindelerregend, wird aber mit jeder Woche selbstverständlicher.
Bei den Techniken üben Sie meist mit erfahreneren Mitgliedern. Diese passen Tempo und Intensität an und helfen, wenn Sie nicht weiterwissen. Niemand erwartet, dass Sie eine Technik beim ersten Mal verstehen.
Ihr Körper entscheidet mit. Wenn etwas schmerzt oder Ihnen schwindlig wird, hören Sie auf und setzen sich an den Mattenrand. Bei einem Gelenkhebel klopfen Sie mit der freien Hand zweimal deutlich auf die Matte oder auf den Körper Ihres Gegenübers. Das ist das Zeichen, sofort loszulassen.
Etikette im Dojo
Die Umgangsformen im Aikido stammen aus der japanischen Tradition. Sie wirken auf den ersten Blick formell, haben aber einen praktischen Sinn: Sie schaffen Aufmerksamkeit, Respekt und Sicherheit. Die Einzelheiten unterscheiden sich von Dojo zu Dojo; die folgenden Punkte gelten aber fast überall.
- Verbeugen: Man verbeugt sich beim Betreten und Verlassen des Dojo und der Matte, meist in Richtung der Stirnseite (Shōmen oder Kamiza), an der oft ein Bild von Morihei Ueshiba oder eine Kalligrafie hängt.
- Partnerinnen und Partner: Vor und nach jeder Übung verbeugt man sich voreinander. Üblich sind dabei die Worte «Onegaishimasu» zu Beginn, sinngemäss «bitte übe mit mir», und «Dōmo arigatō gozaimashita», «vielen Dank», am Ende.
- Pünktlichkeit: Wer zu spät kommt, kniet sich an den Mattenrand und wartet, bis die Lehrperson das Zeichen zum Mitmachen gibt.
- Ruhe: Während der Erklärungen wird nicht gesprochen. Auch beim Üben gilt: wenig reden, viel ausprobieren.
- Sitzen: Wenn Sie die Lehrperson beobachten, sitzen Sie im Kniesitz. Wer das aus gesundheitlichen Gründen nicht kann, darf in den meisten Dojos im Schneidersitz sitzen; sagen Sie es einfach vorher.
- Matte verlassen: Bitten Sie die Lehrperson kurz um Erlaubnis, bevor Sie die Matte verlassen, damit niemand Sie vermisst.
- Sauberkeit: Die Füsse sind sauber, der Keikogi ist gewaschen. Die Badelatschen stehen ordentlich am Mattenrand.
Wenn Sie etwas falsch machen, ist das kein Drama. Niemand erwartet, dass Neue alle Gepflogenheiten kennen. Schauen Sie den anderen zu, und fragen Sie nach dem Training, wenn Ihnen etwas unklar ist.
Die ersten Monate
Die ersten Wochen sind oft die anstrengendsten: Muskeln, die man kaum kannte, melden sich, und die Techniken scheinen alle gleich und doch verschieden. Das ist normal. Mit der Zeit werden die Rollen weicher, die Abläufe vertrauter und die Fragen genauer.
Zwei Dinge helfen besonders: regelmässig ins Training gehen, auch wenn es nur einmal pro Woche ist, und geduldig mit sich selbst bleiben. Aikido ist eine Übung für Jahre, nicht für Wochen.
Was es mit Gürteln, Prüfungen und Stilrichtungen auf sich hat, erklärt der Artikel Grade und Stilrichtungen.