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Aikido und verwandte Wege

Wer länger Aikido übt, stösst früher oder später auf Nachbardisziplinen. Manche ergänzen das Training direkt, andere teilen vor allem eine Haltung.

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Aikido ist nicht aus dem Nichts entstanden. Morihei Ueshiba hat ältere Kampfkünste studiert, Schwert und Speer geübt und sich intensiv mit religiösen und philosophischen Fragen beschäftigt. Diese Wurzeln sind im Training bis heute spürbar. Viele Aikidoka interessieren sich deshalb auch für verwandte Wege, sei es, um ihr Aikido zu vertiefen, oder einfach aus Neugier.

Dieser Artikel gibt einen ruhigen Überblick. Er ersetzt keine Einführung in die jeweiligen Disziplinen, die alle ihre eigene Tiefe haben.

Schwert und Stock

Die Bewegungen im Aikido erinnern oft an die Arbeit mit dem Schwert: gerade Schnittlinien, das Eintreten in die Bewegung des Gegenübers, die Bedeutung von Distanz und richtigem Zeitpunkt. Nicht ohne Grund wird in vielen Dojos mit Bokken und Jō geübt.

Wer sich speziell für die Waffen interessiert, findet in eigenständigen Disziplinen weitere Vertiefung:

Iaidō
das Ziehen des Schwertes und die Arbeit in festen Formen (Kata), meist allein geübt
Kendō
Schwertfechten mit Bambusschwert und Schutzausrüstung, mit Wettkampf
Jōdō
Formen mit dem Stock gegen das Schwert

Diese Disziplinen haben ihre eigenen Traditionen, Gradsysteme und Lehrpersonen. Wer Aikido übt, bringt ein gutes Gespür für Haltung und Distanz mit, beginnt aber auch hier wieder als Anfängerin oder Anfänger.

Judo und Jūjutsu

Aikido, Judo und Jūjutsu haben gemeinsame Wurzeln in den älteren japanischen Kampfkünsten. Judo, das am Ende des 19. Jahrhunderts von Jigorō Kanō begründet wurde, hat wie Aikido Würfe und Haltetechniken, setzt aber stark auf den freien Kampf und den Wettkampf. Eine Brücke zwischen beiden schlug Kenji Tomiki, der beide Künste studierte und eine Aikido-Stilrichtung mit Wettkampfformen entwickelte.

Wer von Judo zu Aikido wechselt oder umgekehrt, erkennt vieles wieder, besonders bei den Fallübungen. Der Umgang mit Kraft und Widerstand ist allerdings sehr verschieden.

Atem und Meditation

In vielen Aikido-Dojos beginnt oder endet das Training mit einigen Minuten Stille oder mit Atemübungen. Dahinter steht die Idee, dass ein ruhiger Geist und ein freier Atem zu besseren Bewegungen führen.

Zen-Meditation (Zazen) ist die bekannteste Form der Sitzmeditation aus Japan. Man sitzt still, achtet auf Haltung und Atem und lässt Gedanken kommen und gehen. Manche Aikidoka praktizieren Zazen ergänzend zum Training, in einer Meditationsgruppe oder allein zu Hause. Die Verbindung liegt nicht in einzelnen Techniken, sondern in der Übung von Aufmerksamkeit.

In einigen Stilrichtungen, besonders im Ki-Aikido, sind Atem- und Konzentrationsübungen fester Bestandteil des Unterrichts. Andere Dojos verwenden Übungen aus der Tradition, die Ueshiba selbst gepflegt hat, etwa rhythmische Atem- und Reinigungsübungen. Wie viel Gewicht darauf gelegt wird, ist sehr unterschiedlich.

Shiatsu

Shiatsu ist eine aus Japan stammende Form der Körperarbeit. Die behandelnde Person arbeitet vor allem mit Druck durch Daumen, Handflächen und Ellbogen, dazu kommen Dehnungen und Bewegungen der Gelenke. Die behandelte Person liegt dabei bekleidet auf einer Matte am Boden.

Für Aikidoka ist Shiatsu aus mehreren Gründen naheliegend. Beide Praktiken arbeiten auf dem Boden, mit dem ganzen Körper und in engem Kontakt mit einem Gegenüber. Beide betonen eine entspannte, aus der Körpermitte kommende Kraft. Und in beiden spielt die Vorstellung von Ki eine Rolle. Nicht wenige Aikido-Lehrpersonen haben sich deshalb auch mit Shiatsu beschäftigt, und in manchen Dojos werden einfache Selbstmassage- oder Dehnübungen gezeigt.

In der Schweiz ist Shiatsu als Methode der Komplementärtherapie verbreitet. Wer eine Behandlung in Anspruch nehmen möchte, sollte auf eine fundierte Ausbildung der Therapeutin oder des Therapeuten achten und bei gesundheitlichen Beschwerden zuerst ärztlichen Rat einholen. Shiatsu ersetzt keine medizinische Abklärung oder Behandlung.

Was die Wege verbindet

So unterschiedlich diese Praktiken sind, sie teilen einige Grundgedanken:

  • Übung statt Theorie: Verständnis entsteht durch regelmässiges Tun, nicht durch Lesen.
  • Haltung und Atem: Eine aufrechte, entspannte Haltung und ein ruhiger Atem gelten als Grundlage für alles Weitere.
  • Respekt: Vor der Übung, vor den Lehrpersonen und vor den Menschen, mit denen man übt.
  • Geduld: Fortschritt zeigt sich über Jahre.

Wer ernsthaft Aikido übt, braucht keine der verwandten Disziplinen. Sie können aber den Blick erweitern und dem eigenen Training neue Fragen stellen. Wenn Sie neugierig sind, sprechen Sie mit Ihrer Lehrperson; oft wissen erfahrene Aikidoka, wo man in der eigenen Region in eine Nachbardisziplin hineinschnuppern kann.

Zurück zu den Grundlagen geht es im Artikel Was ist Aikido?.